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 Das Umland

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Liam Benett



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BeitragThema: Das Umland   Do Aug 21, 2014 3:25 am

Nordöstlich von Olymp erstreckt sich bis zur Küste Wasteland, geht man ins Landesinnere, betritt man die gemäßigte Zone. Das Gebiet an sich steht teilweise unter der Kontrolle der der Regierung. Zwar ist das Umland nicht radioaktiv verseucht, der Einfluss der herben UV Strahlung ist allerdings nicht außer Acht zu lassen.
Meistens lassen sich Temperaturen bis zu 60° Celsius messen.
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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Do Aug 21, 2014 4:32 am

cf: Die Festung


"Fuck! Verfluchtes Scheissteil!"
So hörte man Liam Benett selten fluchen, eigentlich nie. Wenn es dazu kam, dann lag dem meistens ein triftiger Auslöser zugrunde. Heute waren es gleich mehrere Dinge.
Die Sonne stand senkrecht am Himmel, grinste erbarmungslos hinunter und erhitzte die Luft auf unerträgliche 58°. Kein Wölkchen beehrte mit seiner Anwesenheit. Seit inzwischen zwanzig Minuten versuchte der Dunkelhaarige den Truck der ihn hergebracht hatte, wieder ans Laufen zu bringen.
Der Motor jaulte und Qualm schoss aus dem Auspuff, doch nach wenigen Sekunden verreckte die Karre dann mit einem jämmerlichen Kreischen. Er war alleine aufgebrochen, hatte den ganzen gottverdammten Tag an einem Tümpel Proben gesammelt, angesichts der Sachlage, dass Olymp gehäuft mit Febrismücken Plagen zutun bekam. Da die Biester nichts anderes als eine mutierte Form des Malaria Virus übertrugen, forschte er seit Monaten fieberhaft an einem Serum. Und seine dringlich erforderliche Anwesenheit auf der Krankenstation hatte ihn um Wochen zurück geworfen.
Heute, an seinem eigentlich freien Tag, war er heraus gefahren, in den frühen Morgenstunden, als die Temperaturen im Wasteland noch nicht denen eines Backofens geglichen hatten.
Jetzt stand er hier, mitten im Nirgendwo und sein Wagen hatte aus unerfindlichen Gründen den Geist aufgegeben.
Sichtlich abgefuckt, öffnete er den Zipper an seiner Schutzkleidung und schälte sich bis zur Hüfte hinaus. Einem normalen Mensch war das nicht zu empfehlen, aber seine mutierten Gene verhinderten zunächst das Schlimmste, regenerierten seine Hautzellen bei der brennenden Strahlung von selbst - zumindest bis seine Energie ausgeschöpft war. Jetzt ertrug er es unter der dicken Schicht des Anzugs schlicht und ergreifend nicht mehr, hatte ihm das Ding bei seiner Arbeit schließlich gute Dienste geleistet, was die Verfügbarkeit seines Körpers für Mückenstiche anging.
Ächzend kletterte Liam in das Gefährt und wühlte im Handschuhfach. Zur Not war in jedem der Wagen ein Funkgerät, für Situationen wie diese. Ein schrilles Piepsen ertönte, als er die Antenne auszog.
Wenn dieses scheiß Ding jetzt nicht funktionieren würde, würde er Olymp in die Luft sprengen. Das schwor er sich.
"Mayday, Koordinaten 24,92 N 57,82 O, Zeus hier, kann mich irgendjemand hören?", sprach er etwas unschlüssig in das rauschende Gerät. Zunächst antwortete natürlich niemand.
"Ich wiederhole, Koordinaten 24,92 N 57,82 O, Zeus hier, kann mich irgendjemand hören?!"
Dass er mit seinen Nerven am Ende war, merkte man ihm fast gar nicht an...
"Roger, mit wem spreche ich? Over."
Die Stimme die sich meldete, kam dem Arzt bekannt vor. Gott sei Dank funktionierte das nostalgisch anmutende Teil.
"Kelso? Denk mal scharf nach, wer sich vorhin persönlich bei euch abgemeldet hat."
Selbstverständlich wurden in einer verhältnismäßig aufwendigen Prozedur alle Bewohner festgehalten, die Olymp betraten oder verließen. Schon aus Sicherheitsgründen war dies unumgänglich.
"Ten four, Liam! Ist irgendwas passiert? Go ahead. Over."
"Jetzt kannst du diese... was auch immer Funksprache auch sein lassen. Mein Truck hat den Geist aufgegeben, am Arsch der Welt. Brauchst du nochmal meine Koordinaten?"
"Negative.", kam belustigt "Haben dich bereits geortet. Ich schicke dir jemanden rüber."
Der Benett wollte sich gerade bedanken, da folgte ein "Over and out?"
"Beeil dich einfach, ja?", seufzte der Mutant, konnte sich ein grinsen aber nicht verkneifen.
Gut, jetzt hieß es warten. Die Ergebnisse des heutigen Tages schmiss er auf die Rückbank, dann stellte er den Fahrersitz so weit es ging zurück und legte die Beine aufs Amaturenbrett. Hätte er auch nur geahnt, dass der Tag so enden würde, hätte er seine Chance tatsächlich mal wahrgenommen und geschlafen. Das hatte er nämlich seit drei Tagen nicht und allmählich ging auch seine dritte Kanne mit schwarzem Kaffee zu neige.
Nach einer knappen halben Stunde, die er damit verbracht hatte, Sandkörner zu zählen, wurde es ihm einfach zu heiß im Auto.
"Herr Gott, warum ich?!", beschwerte er sich bei sich selber und kletterte hinaus. Wütend blickte er hinauf zu der großen Feuerkugel, die ihn so dreist verhöhnte. Sein klitschnasses Tshirt war inzwischen getrocknet und er zog es sich aus, nur um es sich turbanartig um den Kopf zu Wickeln. Dann hockte er sich neben den Wagen, in den spärlichen Schatten, den die dämliche Maschine warf.
Warum nochmal hatte er bisher alles was mit Mechanik zu tun hatte verschmäht? Er nahm sich fest vor, das zu ändern. Während er so über seine Hilflosigkeit und Ahnungslosigkeit nachdachte, bemerkte er nicht, dass sich in der Ferne Staubwolken abzeichneten und die verschwommenen Umrisse eines sich nähernden Fahrzeugs.
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Booga



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BeitragThema: Re: Das Umland   Do Sep 04, 2014 5:55 am

Als Stanley aus seinem wohl verdienten Mittagsschläfchen geweckt wurde, kräuselten sich ihm förmlich die Fußnägel auf. Er hatte gestern Nacht mit ein paar anderen ‚Rookies‘ gemeinsam Schrott gesammelt. Südlich von Olymp gab es Ruinen einer verschütteten Großstadt. Sie hatten viele nützliche Kleinteile und zugängliche, beinahe perfekt erhaltene Gebäudekomplexe gefunden. Allerdings war alles auf eigene Faust geplant und durchgeführt worden. Es gab keine Anweisung von oben und daher auch keine mildernden Umstände, nachdem der Notruf von Liam rein gekommen war. Noch im Halbschlaf rottete sich der Rothaarige auf. Sein Vorgesetzter hatte ihn unsanft aus dem Schlaf gebrüllt und die Anweisung gegeben den Verlorenen zurück zu holen. Kaum, dass Stan hörte, dass es sich um den Benett handelte, wurde er etwas wacher.
Sein Nörgeln blieb jedoch nicht aus.
Widerwillig lief das Technik As in die Werkstatt um sich dort einen Wagen auszuleihen. Vorher schlüpfte Booga noch in einen Schutzoverall um den Gefahren der Strahlung zu entgehen. Letztendlich schaltete er das Navi an und manövrierte wenig später die Karre aus der Stadt heraus. Bei seinem Fahrzeug handelte es sich um ein hoch modernes Gerät mit Navigation, Lichtschutz, Panzerung und Klimaanlage. Eigentlich dürfte es nur besonderen Einsätzen gefahren werden, doch der Schnibli nahm es mit den Regeln nicht so genau. Immerhin hatte er das Ding damals überhaupt erst wieder zum Laufen gebracht und repariert! Wie es sich heraus stellen dürfte, war er in Olymp nämlich der Einzige, der sich mit der gängigen Technologie der Alphas gut auskannte.
Dass dies für ein Missverständnis sorgen könnte, wurde ihm leider erst klar, als Liam augenscheinlich vor ihm weg rannte, nachdem sie das dunkle Gefährt aufgetaucht war. Booga stöhnte verdrießlich, ließ den Wagen neben der Unfallstelle stehen und winkte Liam eindringlich zu sich rüber. Als sie auf ein paar Meter Abstand voneinander entfernt waren, öffnete Stan das Visier seines Helmes und entblößte sein Gesicht. Sofort kniff er die Augen zu, da ihn die helle Sonne völlig blendete. „Ohhhhww, es ist einfach zu grell!“, stöhnte er.
Nachdem sie nun einander wiedererkannten schloss Stan seinen Helm wieder, begrüßte den Arzt freundlich. Danach wies er den Forscher auf den ‚Rettungswagen‘ hin. Im Innern des geräumigen Fahrraums angekommen, ließ Booga die Flügeltüren wieder schließen. Bevor sie sich um Formalitäten oder dergleichen kümmerten, wollte Booga dem Geschundenen erst einmal eine Pause gönnen. Neben moderaten 25 °C Innentemperatur gab es etwas Frisches zu Essen und kühle Getränke. Vor ihnen zeigte ein Bildschirm ein Bild von außen – dies funktionierte per Kamera. Ein bisschen surreal war es schon. Wie ein Videospiel…
Bei ihrem ‚Picknick‘ öffnete sich Booga selbst ein Stück seines Overalls um etwas auszuspannen. „Ich guck mal gleich wie schlimm es um den Motor steht. Wir schleppen das Ding aber auf jeden Fall ab, das ist mir mit der Hitze zu ätzend da draußen. Außerdem soll es hier doch Mücken geben.“
Es gab seitens Booga keine rührseligen Worte oder komischen Blicke, weil sie so seltsam auseinander gegangen waren. Man hatte sich in der Tat im letzten Jahr nur flüchtig hier und da zu sehen bekommen. Aber dem Schnibli schien es gut ergangen zu sein. Inzwischen waren seine Haare kürzer und seine Haut gepflegt. Er hatte das marottenhafte Aussehen und das leichte Kränkeln aus dem Sklavenlager verloren. „Du kannst dich ruhig was hinlegen. Hinten ist genug Platz dazu. Ich fang jetzt draußen mit dem Fangseil an deine Blechbüchse dingfest zu machen, okay?“

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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Sa Okt 25, 2014 12:22 pm

„Stan.“, stellte der Mediziner etwas stumpfsinnig fest, als er erkannte, dass es sich bei dem Ankömmling um seine Rettung handelte. Ein überraschtes, aber gleichsam freudiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, sobald der Rothaarige das Visier nach oben geschoben hatte und seine Identität entblößte. Wenn er darüber nachdachte, war es gar nicht so abwegig, dass die Basis ihn geschickt hatte.
Dass der Mechaniker ihn sogleich ins innere seines Panzerwagens schickte, kam ihm gerade recht. Er fand, dass 'grell' kein Ausdruck mehr für das war, was die Sonne hier darbot. Über das Carepaket mit Proviant fiel er regelrecht her. Während er sich gierig über ein Sandwich hermachte, herrschte zunächst einvernehmliches Stillschweigen zwischen den Beiden.
Als Booga die weitere Vorgehensweise erläuterte, antwortete Liam schmatzend: „Hier nicht. Drei Meilen von hier circa gibt es einen kleinen Sumpf. Sonnenbrand ist wahrscheinlicher, aber selbst das halte ich für viel zuviel Aufwand für diese Schrottkiste.“
Er zuckte kurz mit den Schultern. Booga schien ihm nicht sonderlich gesprächig, aber auch nicht abweisend. Eben so, als seien sie Bekannte, die sich gerade nichts zu erzählen hatten. Ein Umstand, der den Arzt unerwartet heftig traf. Aber er hatte ja auch keine Anstalten gemacht, den Kontakt zum Jüngeren großartig aufrecht zu erhalten, oder? Der Schnibli war gezeichnet gewesen, nicht nur äußerlich, auch seelisch. Das hatte er dem Benett damals unmissverständlich beigebracht. Allerdings hatte der Doc seine Hilfe nie verweigert... sie jedoch auch nicht aufgezwungen.
Und wie man sah, war er auch so zurecht gekommen. Stanley sah gut aus, gepflegt und im Allgemeinen gesünder.
Liam wollte irgendetwas sagen, doch die Worte blieben ihm im Halse stecken. Die Hand hatte er kurz und fast unmerklich in Richtung des anderen ausgestreckt, so als wolle er ihn zurück halten. Dann hatte er sie schnell wieder zurück gezogen. Aus unerfindlichen Gründen wollte er sich entschuldigen, auch wenn er nicht genau wusste, wofür.
„Okay.“, gab der Dunkelhaarige deshalb nur zu verstehen und blickte flüchtig zu dem Monitor, der die Außenwelt zeigte. Womöglich war seine Unsicherheit zu spüren. Er seufzte und versuchte den neugeborenen Booga nicht anzustarren.
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Booga



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BeitragThema: Re: Das Umland   So Jan 04, 2015 11:20 am

Es hätte komisch sein müssen. Oder zumindest ein bisschen unangenehm. Vor gar nicht so langer Zeit hatte Booga in der Wohnung von Starfire eine Szene gemacht und war in Tränen ausgebrochen. Hatte in totalem Kummer seine Geschichte erzählt und damit Liam zumindest einen Ausschnitt des Horrors vor Augen geführt. Danach hatten sie sich schlichtweg nicht mehr gesehen. Sofern es ging vermied der Schnibli jeden Kontakt und auch der durchaus sinnvollen Untersuchung seiner Kräfte entzog er sich vollkommen. Ellinore hatte den Doktor mit milder Stimme darauf hingewiesen, dass sich der junge Mann erst einleben müsse. Alles war noch zu frisch gewesen.
Tatsächlich ging es Stanley inzwischen recht gut. Die Vergangenheit lastete immer noch schwer auf seinen Schultern, aber er musste diesen Ballast nicht mehr alleine tragen. Es gab viele Seelsorger und neue Freunde, die ihn unterstützten. Sich mit anderen Opfern auszutauschen half. Mitanzusehen, wie Andere sich ein Leben aufbauten und die Gräueltaten hinter sich ließen war ermutigend. Unter den Fittichen der Anweiser der Stadt gelang es dem Rotschopf verschiedene kleinere Arbeiten zu finden und letztendlich doch wieder bei der Maschinenwartung zu landen. Sein Hirngespinst, er müsse etwas soziales oder medizinisches lernen um Menschen zu helfen, war aus dem Weg geräumt worden. Bald schon machten ihm die Leute klar, dass es genauso wichtig war sich um Maschinen und geborgene Waffen zu kümmern. Booga war außer den seltenen Überläufern nämlich der einzige Mechaniker vor Ort, der die Komplexität und Bauweise der Alphas verstand. Starfire, die erst im Nachhinein überhaupt Lesen und Schreiben gelernt hatte, war ziemlich verblüfft gewesen.
Die Information, dass Stan ehemals ein Beta Angehöriger war, stimmte viele Leute in Missmut. Man rätselte über den Hintergrund dieser Geschichte, was jedoch nie vordergründig von statten ging. Stan wollte darüber nicht nachdenken. Er wollte leben und jeden Tag ein bisschen genießen.
Trotzdem trat auch er so schnell wie möglich dem Kämpfertrupp bei. Booga war noch lange nicht in der Lage mit auf die Einsätze und Missionen zu gehen, aber er war willig schnell zu lernen. Unter den kämpfenden Rebellen befand sich inzwischen auch Sawyer, mit dem er sich ironischer Weise im Moment ziemlich gut verstand.
Zwischen all diesen Ereignissen war der bloße Gedanke an Benett irgendwann allmählich abgekühlt und verloren gegangen…
Gerade, als Booga aussteigen wollte, glaubte er irgendwas im Rücken zu spüren. Kurz blickte er zurück, über die eigene Schulter.
„Mh?“, entfuhr es Stanley, als er sah wie sich der Doktor rasch zurück zog und in gezwungener Haltung auf den Monitor fixierte. Der Mechaniker seufzte merklich und raunte halblaut: „Dann wollen wir das mal hinter uns bringen…“
Es verging eine Viertelstunde, ehe sie das Fahrzeug vollständig zur Bewegung brachten – es war mittlerweile ein ganzes Stück in den Boden gesackt. Ihre Heimreise gestaltete sich glücklicherweise recht kurz. Kurz vor Olymp hielt Booga ein kleines Gespräch mit der Funkzentrale. Danach wurde ihnen Einlass gewährt. In der Werkstatt wurden beide Insassen des Gefährts bereits von ein paar Leuten empfangen, wobei man sich sehr hartnäckig um das Wohlergehen des Forschers erkundigte. Etwas amüsiert bemerkte Stanley, eher nebensächlich: „Ell‘ wird das jedenfalls nicht gefallen. Du kennst doch dieses hässliche Gesicht das sie macht, wenn Jemand über Ameisen spricht? Genau so wird sie dich gleich ansehen…“

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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Mo Jan 05, 2015 1:24 am

Liam versuchte sich krampfhaft einzureden, Booga hätte von seiner absonderlichen Geste nichts mitbekommen. Nachdem er im Kopf zwei Mal den Liedtext vom sagenumwobenen ‚What does the fox say‘ durchgegangen war, konnte er mit Erleichterung feststellen, dass ihm die Schamesröte aus dem Gesicht gewichen war. Oder zumindest glühten seine Wangen nicht mehr so verräterisch und er schaffte es, seinen Freund, Kollegen, -was auch immer- nicht dauerhaft und durch die Bank weg anzustarren, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Dass der Arzt dazu neigen konnte, eher verschlossen und introvertiert, gar nachdenklich und distanziert zu wirken, war das eine. Jetzt gerade war er allerdings nicht in der Lage, seine Gedanken zu ordnen und noch viel schlimmer, seine Gefühle. Oh nein, er war nicht Opfer einer plötzlichen Liebeserkenntnis geworden, das nicht, jedoch konnte sich sein eigentlich so verlässliches Gehirn auch nicht entsinnen, was er vorher für Stanley empfunden hatte. Ein großer Anteil Mitleid hatte damals sein Denken und Handeln bestimmt, sowie ein ungeahnter Beschützerinstinkt. Und selbstverständlich, wissenschaftliches Interesse.
Jetzt wo der Rothaarige ganz offensichtlich auf eigenen Beinen stand, die Vergangenheit Vergangenheit sein ließ und auch ohne die Hilfe des Mediziners einen Pfad zurück ins normale Leben gefunden hatte, kam sich Liam in gewisser Weise deplatziert vor. Natürlich pflegte der Ex-Alpha auch Kontakte zu jenen, die nicht unbedingt Spezialfälle mit beachtlich psychischen Problemen waren, doch gerade wollte ihm kein Gesprächsthema einfallen, das von Normalsterblichen in einer Konversation für gewöhnlich benutzt wurde. Vor allem da er sich reichlich dämlich vorkommen würde, intensivstes Interesse vorzuheucheln, was Boogas Entwicklung und Eingliederung in die Gesellschaft anging.
Somit verschwendete er die gesamte Rückfahrt damit, seinen Überlegungen nachzuhängen, gerade so, als würde er alles auf genauste studieren und jedes ihrer Erlebnisse auseinander zu nehmen. Diese Fragmente ließen sich jedoch von seinem spitzfindigen Geist letztlich zu keinem größeren Ganzen verbinden, was ihm in irgendeiner Form dabei half, auf seinen Retter kommunikativ zuzugehen.
Zurück in der Hauptstadt, sie waren nahezu königlich empfangen worden, für Liams Begriffe, setzte sich seine impertinente Unsicherheit fort. Unschlüssig beobachtete er, wie die Fahrzeuge von einem Team entgegen genommen wurde, das für die prophylaktische Dekontaminierung zuständig war. Das übliche Prozedere, um kein Risiko einzugehen.
Auch er wurde eingehend beäugt, bis er zum gefühlt dreihundertsten Mal darauf hinwies, dass es ihm gut ging. Wie immer und zu jedem Zeitpunkt seines mutantischen Daseins. Wenn man das aufs Körperliche reduzierte jedenfalls.
Der Schnibli schaffte dann den Sprung von mega awkward zu nice, dein Mund ist nicht nur nützlich fürs Essen und Blowjobs und sagte etwas, was Liam aufrichtiges Lächeln hervorlockte.
„Ich weiß nicht, ob ich den Vergleich jetzt so passend finde, aber ich befürchte, du wirst Recht behalten.“, entgegnete er zögerlich und vor seinem inneren Auge wütete und wetterte Ellinore Ares, ihres Namens Überglucke. Diese Vorstellung würde er besser nicht mit der Rebellenanführerin teilen.
„Hast du noch Kontakt mit Star?“, erkundigte sich der Benett dann betont beiläufig, als würde er es nicht besser wissen.
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Booga



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BeitragThema: Re: Das Umland   Mo Jul 20, 2015 9:05 am

Der Rotschopf wanderte zur Seite und begann seinen Kollegen in der Werkstatt ein paar Floskeln zuzurufen. „Ja, das Ding ist durch geschmort“, meinte er und löste die Verbindung der beiden Fahrtzeuge. Nachdem er sich mit einem Putzlappen Schmieröl von den Händen abgewischt hatte, fanden seine braunen Augen zurück zum Benett. „Ab und zu. Wir haben schon miteinander zu tun, weil sie uns Frischlinge auch mal mit auf Einsätze nimmt.“
Selbstverständlich waren das keine großen Sachen. Aber kleine Überfälle auf Handelskarawanen waren eine gute Gelegenheit um die neuen Soldaten zu testen. Die Freiheitskämpfer waren ein bunt gemischter Haufen und jeder reagierte auf die Missionen anders. Kleinere Konflikte halfen den Ausbildern mehr über ihre Schützlinge zu erfahren. Dinge, die über einen Hindernisparkour oder Nahkampf hinausgingen. Manche Leute lernten sich dort draußen erst selbst richtig kennen. Schnibli meinte auch so etwas erlebt zu haben. Er war viel selbstbewusster geworden und war recht stolz, wenn ihn seine Mitmenschen lobten. Er hatte nicht geglaubt, dass er so nützlich werden würde. Sein Wissen über interne Technologie der Alphas war von unschätzbarem Wert für die Rebellion. Außerdem hatte er eine gute Auffassungsgabe und schaffte es auch Nachfolgemodelle schnell zu entschlüsseln. Bald fing darüber hinaus seine Sanitäterausbildung an. Auf seinen Wunsch. Wenn sie in einer schwierigen Situation waren, wollte er in der Lage sein seine Kameraden zu verarzten. Ihm war klar, dass er niemals so etwas wie Liam sein würde, aber das war auch nie Sinn und Zweck gewesen. Selbst, wenn er es gewollt hätte, meinte der junge Mann zu wissen, dass er der Bewegung im Moment auf seine Weise besser helfen konnte. Und das Tüfteln machte ihm eigentlich auch Spaß. Es war anders, als in der Fabrik. Hier herrschte kein Leistungsdruck. Niemand wurde bedroht. Es lief alles ganz locker und der Umgangston war freundlich.
Ein paar Papiere wurden Liam ausgehändigt. „Unterschreiben“, brummte einer der Mechaniker. Es handelte sich um die Bestellung eines neuen Dienstwagens. Kaum zu glauben, aber auch hier herrschte Bürokratie und Ordnung.
Sie wurden schließlich ‚entlassen‘. Stanley würde gleich in den Bereitschaftsdienst zurückkehren. Mit einem leichten, wenn auch gezwungenen Lächeln nickte er dem Arzt zu. „Wir sehen uns“, meinte er. Seine Worte verrieten sofort mehr. Sie waren etwas leer, eher aus Höflichkeit angestimmt worden. Immerhin waren sie sich seit über einem Jahr kaum mehr begegnet. Würde nun wieder eines vergehen, ehe sie die nächsten kargen Wortfetzen austauschten? Stan war gerade erst klar geworden, dass ihm diese Situation ein bisschen komisch vorkam. Natürlich wusste er, dass er sich dem Benett früher einmal die Blöße gegeben hatte. Aber es war so viel passiert in der Zwischenzeit…
Booga fühlte sich, als wäre aus ihm ein Anderer geworden. Und er wollte von der Vergangenheit nicht beherrscht werden. Wie die Meisten hier, sehnte er sich nach einem ganz normalen Leben, ohne Fremdbestimmung. Im Moment wusste er nicht, ob er mit Liam auf Augenhöhe war. Das Mitleid, was er damals bekommen hatte, widerte ihn inzwischen an. Er wollte nicht bemuttert werden, dieses Kapitel lag hinter ihm. Sogar mit Sawyer kam er mittlerweile gut klar. Sie waren irgendwie Freunde und verbrüdert, denn im nächsten Kampf würden sie gemeinsam los ziehen. Stanley konnte das kaum erwarten – andererseits war er froh, wenn Frieden herrschte.
Frieden. Selbstverständlich war das nie der Fall, solange es Sklaverei und Unterdrückung gab. Doch für ein paar von ihnen gab es in Städten wie Olymp die Vision, den lebendigen Traum, davon. Allerdings stets mit dem Hintergedanken, dass ihre Brüder und Schwestern außerhalb immer noch in Gefahr waren.

Mehrere Tage vergingen.
Bald war in Olymp das Mittsommernachtsfest. Aber die Rebellentruppen hatten ihre ganz eigene Feier geplant. Einer ihrer Freunde hatte Drillinge bekommen. Das erste Mal, dass so etwas in dieser Stadt geschah. Und sie waren alle gesund auf die Welt gekommen. Darüber hinaus war bald ihre Anfängerzeit vorbei. Sie waren beinahe so weit, als eigenständige Mannschaften zu kooperieren. Danach würde sich ihre Gruppe trennen, denn es gab ins Besondere in Sodom Bedarf nach neuem Militär. Deswegen gab es eine inoffizielle, illegale Abschiedsfeier. Sie wollten das alles privat halten und reservierten den Übungsplatz im äußeren Gelände. Im Grunde war es weit genug weg, sodass sie trotz lauter Geräuschkulisse nicht für Aufsehen sorgen würden. Außerdem war das sowieso einer ihrer häufigsten Anlaufpunkte gewesen. Sie hatten Tische aufgestellt und die Baracken dekoriert. Dicke, bemalte Stoffbanner hingen überall herab. Sie hatten eigene Symbole aufgemalt, sich witzige Logos und Sprüche überlegt. Jedes einzelne Grüppchen bzw. Clique hatte ein Motto. Es ging zu wie auf einem Kindergeburtstag – bloß mit viel Alkohol und älterem Publikum. Es liefen peinlich laut irgendwelche alten Aufnahmen verschiedener Rockmusiker, deren lyrischer Gehalt ungefähr genauso hoch war, wie raue Gespräche auf dem Abort.
Inmitten dieser Eskalation befand sich auch Booga, welcher recht betrunken mit einem Kameraden um die Wette tanzte. Sie sahen nach eskaliertem Junggesellenabschied aus. Stan trug einen neongrünen Plastik-Schwimmreifen um seine Hüfte mit einem Froschkopf an der Vorderseite. Außerdem noch eine Blumenkette und selbstgebastelte Engelsflügel aus braunem Packkarton. Nur Anstandshalber trug er noch seine Unterhose, doch damit war es bald vielleicht auch schon vorbei.
Mit dem Outfit hatte er zwar nicht den Kostümwettbewerb gewonnen, aber war mit Sicherheit der Sieger der Herzen geworden.
Wer den drahtigen Kerl zur Ankunft im Ort schon einmal gesehen hatte, würde wohl staunen. Schnibli hatte mittlerweile sogar ein kleines Bäuchlein bekommen. Jetzt, wo er sich wie ein normaler Mensch ernähren konnte, hatte er außer Muskeln auch noch etwas Fett angesetzt.

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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Mo Jul 20, 2015 10:23 am

Liams Vorhaben fruchtete nicht so, wie er sich es vorgestellt hatte. (Wenn man der Annahme ging, seine Vorstellungen hatten überhaupt konkrete Züge angenommen, was sie de facto nicht hatten). Optisch und gefühlsmäßig ließ die Innigkeit weiterhin zu Wünschen übrig und Liam bereute wohl zum ersten Mal einige seiner empathischen Anwandlungen. Er brauchte keine absonderlichen Fähigkeiten um zu erkennen, wie es um den Schnibli bestellt war, beziehungsweise dessen Drang, den Arzt nicht wie einen Fremden zu behandeln. Der Ältere würde das Lächeln des anderen womöglich nicht als aufgesetzt bezeichnen, ehrlich schien es ihm jedoch auch nicht.
Mit einem obligatorischem "Danke.", war er Booga nach draußen gefolgt. Was dann folgte mutete ähnlich herzlich an wie die gesamte Rettungsaktion an sich. Sein Hirn arbeitete fieberhaft, das tat es immer, doch die Offenbarung wurde ihm verwehrt. Er präsentierte sich von seiner glanzvollsten Seite und nickte bedächtig, ehe er der wandelnden Pheromonspritze nachdenklich hinterhersah "Bestimmt...".

Nicht zuletzt seine wundervolle Berufung hatte dafür gesorgt, dass sein ohnehin überquellender Schädel die Booga-Problematik in die hinterste Ecke abgeschoben hatte.
"Ich bin eigentlich gar kein Arzt, sucht euch einfach jemand anderen."
Damit hatte er in einem puren Akt der Verzweiflung versucht, seine Berufung noch mehr herunterzuspielen. Ein Hobby, nicht mehr. Achja und ein gewisses, genetisch bedingtes Talent, mehr zeichnete ihn für den Job doch gar nicht aus, oder? Sollte sich jemals die Möglichkeit bieten ein Medizinstudium nachzuholen, so schwor er sich, seine Doktorarbeit über sich selber und die Abgründe zwischenmenschlicher Erbärmlichkeiten zu schreiben. Tiefer, psychischer Abgründe. Bodenlose sogar, wenn er sich seinem neusten Pflegefall entsann.
Irvine Russel hatte ihn bereits nach einer Woche so weit gebracht, dass er im Begriff war, einfach zu gehen. "Oh ja, nach Hause", machte er einem trotzigen Kind gedanklich alle Ehre "Nach Helter Skelter und Ell's geliebten Riesenameisen."
Heute abend war es nicht anders. Sie Stimme des Präsidentensohnes wehte in periodischen Abständen zu ihm hinüber, erregte seine Aufmerksamkeit inzwischen allerdings kaum mehr. Entweder Phoenix verlangte nach einem Glas Wasser, einer Prise Bloody Eye oder einem Handjob, nachdem er scheinbar erkannt hatte, dass Liam zu den Verklemmten gehörte.
"Naaah, kein Blowjob? Nagut, aber nur weil dus bist. Für dich lasse ich es langsam angehen.", hatte der Russel verlautet und so großspurig gegrinst, dass Liam ihn kurzerhand ins Land der Träume geschickt hatte. Die Energie konnte er, um es zu seiner Verteidigung zu sagen, besser gebrauchen.
Natürlich war er ein wieder Mal der letzte, der die Krankenstation verließ. Die Zeiger unter dem gesprungenen Glas seiner Armbanduhr deuteten darauf hin, dass es sich für ihn schon nahezu nicht mehr lohnte, sein Quartier anzusteuern.
Und das tat er letztenendes auch nicht. Etwas frische Luft würde ausreichen. Fürs erste.
Da er üblicherweise und zu Stars permanenter Missgunst kaum am normalen Leben teilnahm, war ja nicht so, als ergäbe sich für gewöhnlich Zeit dafür, ahnte er er nichts davon dass der ersehnte Freigang alles andere als entspannend werden würde. Oder zumindest das, was daraus resultierte.
Zunächst hielt er das ferne Geballer für pure Einbildung. Manchmal liebte sein Verstand ihn einfach, besonders nach einem 48-stündigem Bereitschaftsdienst. Im Mondlicht machte er einen menschlichen Umriss aus.
"Halt! Da ist jemand, siehst du?! Wir werden verfolgt! Ich habe es dir gesagt."
Zwei Gestalten näherten sich und der Wissenschaftler korrigierte sich im Stillen. "Nicht ganz menschlich..."
Niemand geringeres als Sawyer löste sich aus der Dunkelheit, den Arm hatte er einer ziemlich angeheiterten Blondine um die Schulter gelegt. Offenbar waren beide derart angeheitert, dass sie es nur so bewerkstelligten, sich in senkrechter Position fortzubewegen. Wie der ehemalige Elitesoldat noch so klar sprechen konnte, war dem Benett schleierhaft.
"LIAM!", donnerte Nathan, als wären sie die allerbesten Freunde. Seine Begleiterin kicherte.
"Hi.", sprühte der Jüngere vor reger Begeisterung. Sawyer ließ sich nicht beirren.
"Was stehen wir hier eigentlich noch so blöd rum?!", stieß er hervor und Liam wusste keine Sekunde später nicht mehr, wie im geschah.
"Was in Gottes Namen? Hallo?", wurde er einfach fortbugsiert. Nate hielt sich verschwörerisch den Zeigefinger vor die Lippen.
"Jaaaaa, hallo, jetzt mach hier mal keinen Aufstand, Doc. Sonst kommen noch mehr auf die Idee, man könne sich einfach so reinschmuggeln."
"Alter, hattest du gerade einen Schlaganfall?", war der Dunkelhaarige im Begriff, mit einer Berührung den Alkoholgehalt des Kanadiers zu senken, da bogen sie um die nächste Kurve und über die sandige Erhöhung hinweg hörte man nun im vollen Ausmaße, wohin er geführt wurde. Und dass ihn zuvor keine sphärischen Einbildungen ereilt hatten.
Hervorragend. Er meinte sich sogar daran zu erinnern, dass einer seiner Patienten ihn eingeladen hatte. Tim hatte ihm geheimnisvoll zugeflüstert, während Liam sich über ihn gebeugt hatte, um seinen halb zerfetzten Arm zu heilen.
"Nein. Ich muss...", wurde seine Auflehnung darin erstickt, dass Sawyer ihn einfach weiterzerrte.
Das war es dann, mit seiner grandiosen Abendplanung.
Auch wenn er nie eine gehabt hatte.

Einerseits bewunderte er die Anwesenden, dass sie es schafften, trotz des hochprozentigen Selbstgebrannten eine stringente Linie zwischen 'Ziemlich dicht' und 'Kurz vorm Delirium' einzuhalten. Andererseits hasste er sie, sich und den kargen Planeten dafür, dieses Stadium nur krampfhaft zu erreichen. Sawyer hatte ihm einen Becher mit irgendwas gereicht, dass wie Desinfektionsmittel roch. Dann hatte ihn die Pflicht gerufen. Dem Exalpha war vermutlich egal, dass ihn jeder dabei beobachten konnte, wie er das junge Ding ungeniert auf einer abgeschlissenen Couch abferigte. Liam konzentrierte sich darauf, dass er den spartanischen Versuch eines Loungebereichs gleich neben den Toiletten der Organisatoren hoch anrechnen wollte. So würde Sawyer wenigstens morgen nicht mit 82 Geschlechtskrankheiten bei ihm antanzen, die er sich bei einem Stelldichein aufm Klo geholt hatte.
Dieses wundervolle Bildnis wurde hinfortgewischt, als Liam sich umwandte. Für einen Moment sah es so aus, als würde er Anstalten machen, sich auf die Tanzfläche zu begeben. Stattdessen blieb sein Blick an einem ganz bestimmten Exemplar hängen, das durch einen stechend roten Schopf besonders auffiel. Der gewöhnungsbedürftige Kleidungsstil strafte ihn da keine Lügen, auch wenn das Augenmerk des wohl einzig nüchternen Gastes langsam am Schnibli hinunterglitt.
Er bemerkte erst, dass er starrte, als sich ihre Blicke wie beiläufig trafen. Etwas hektisch kippte Liam den Inhalt seines Bechers hinab, dabei stellte er fest, dass schon mindestens drei Mal hier bei den Bartischen auf den Boden gekotzt worden war.
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Booga



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BeitragThema: Re: Das Umland   Do Okt 01, 2015 10:07 am

Booga amüsierte sich prächtig. Er ließ sich gerade von Daren aus der Nahrungsaufbereitung erzählen was für hübsche Beine der Mutant angeblich hatte. Ganz ernst bleiben konnten dabei beide nicht. Vor allem Stanley gluckste laut daher und schlug seinem Kumpel auf die Schulter. Der Rotschopf spürte bereits nicht mehr die Kälte um sich herum, geschweige denn war er Herr über seine Sinne. Er konnte seine Gefühle nicht verbergen – was ihn allerdings nicht störte. Jedes Lachen von ihm war ehrlich und auch so gemeint.  Als er Sawyer auf der Couch entdeckte, brüllte er diesem zu und stieß gemeinsam mit zwei anderen Soldaten an seiner Seite an. Sie alberten etwas herum, ehe einer von ihnen Stan auf den ‚Verehrer‘ aufmerksam machte.
Die Blicke vom Benett und Schnibli  trafen sich endlich. Der Jüngere nickte dem Arzt mit einem leichten Lächeln zu, ehe er auf ihn zukam und schließlich einen Arm um den Forscher legte. „Du auch hier?!“, meinte er etwas scherzhaft und ließ von Liam bereits wieder los. „Cool, dass du hier bist. Ich hätte dich hier gar nicht erwartet., sagte er frei heraus. Der stets pflichtbewusste und disziplinierte Heilkünstler war in Boogas Augen viel zu verkniffen und fromm um sich auf einer Veranstaltung wie dieser gehen zu lassen. Allerdings wollte der Mechaniker auch nicht zu früh urteilen, immerhin hatten sie sich bis auf die Abschleppaktion lange nicht mehr gesehen.
Dennoch schwarmte dem Verkleideten bereits vor, dass Liam als Spaßbremse all das hier frühzeitig beenden könnte. Darum legte er plötzlich seinen Zeigefinger auf die Lippen vom Größeren. Die Gestik wirkte etwas schräg. „Schhhhh!“, brummte Booga, grinste verschmitzt. Seine Finger rutschten ungalant am Mund runter, ehe er die Hand runter nahm. „Du darfst… aber... uns nich verpfeifen!“, verlangte er: „Das ist ein ....ehrr...illegal. Ein kleines, ganz kleine sbissc…bisc…bisschen“
Booga zeigte mit Daumen und Zeigefinger wie klein er dieses Vergehen einstufte und wollte sich bereits wieder zu seinen Freunden begeben, als schließlich eine Gestik von Liam als Aufforderung zu bleiben verstand. „Was is`n?“, wollte Booga wissen und schaute seinen einstigen Schwarm erwartungsvoll, wenn auch betrunken an. Benett schien es schwer zu fallen sein Unbehagen in Worte zu fassen. Aber auch ohne Gedanken lesen, glaubte Booga zu wissen worauf das hinaus lief. „Jetzt mach dir nicht in die Hosen, man! Nur weil ich… was von dir wollte, ja? Ist nicht so als würd ich dir…jetz… auf den Penis springen. Es ist einfach nett dich zu sehen. Cool? Cool… okay. Ich muss jetzt noch…. korresponideren…korrespondieren! Da vorne…  du siehst ja…“ Stanley schaute sich verschwörerisch um, so als wäre es von äußerster Wichtigkeit, dass sie niemand hörte. Dann lehnte sich Booga nach vorn und flüsterte zischend in das Ohr seines Gesprächspartners: „Ich werd Daren wahrscheinlich heute vögeln! Aber erzähls keinem weiter!“ Nicht, dass es einen Unterschied machte. Wahrscheinlich hatte Stan diese Botschaft schon der halben Bevölkerung mitgeteilt...
Booga wischte sich durch das schwitzige Gesicht...

Mit einem diebischen Grinsen hüpfte der junge 2-Promille Mann dann zu seinen Kameraden zurück.
Kurz blieb Liam allein da, wie bestellt und nicht abgeholt.
Dann plötzlich schultercheckte Starfire ihn von hinten. „Wusa!“, schrie sie um ihren besten Freund zu erschrecken.

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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Mi Okt 28, 2015 2:16 am

„Jaaaaa.“, entgegnete Liam besonders einfallsreich und musterte den Rotschopf nun aus nächster Nähe. Er konnte nicht genau sagen, ob es seinen Erwartungen entsprach, Booga hier anzutreffen. Mit dem Kleidungsstil hatte er zugegebenermaßen nicht gerechnet. Und das versuchte er sich nicht anmerken zu lassen, als sein Blick natürlich aus rein freundschaftlichen Interesse an Stanley hinab glitt, um sich dann zu räupern. So, genug Zeit geschunden, bevor sein Schweigen lächerlich wurde.
Er sah zwar, dass es dem Schnibli ganz offensichtlich relativ gut ging, aber das hielt ihn nicht davon ab, ihn trotzdem nach seinem Wohlbefinden zu fragen – wie gesagt, er neigte zu Einfallsreichtum.
Dazu kam es jedoch gar nicht, da sein Gegenüber ihn verschwörerisch anblinzelte und ihm dann einen Finger an die Lippen legte.
„Das hier ist quasi der Nationalfeiertag Olymps, aber ja, ich kann den Mund halten.“, lächelte der Doc jäh aufrichtig, weil diese Feierlichkeiten wohl das schlecht gehütetste Geheimnis dieser gottverdammten Welt war.
Was er dann sagte, veranlasste den Mediziner dazu, seine Gesichtsfarbe der Haarfarbe seines temporären Korrespondenten anzupassen.
Außerdem facepalmte er ungefähr 200 Mal innerlich bei dem Gedanken daran, korrespondieren noch einmal irgendwann in den alltäglichen Sprachgebrauch einbauen zu müssen.
“Selbstzerstörung einleiten in 10 – 9 – 8 ….“, behielt er ebenfalls für sich und schüttelte nur fortwährend lächelnd den Kopf, als wäre ihm die Angelegenheit überhaupt nicht unangenehm.
„Schade. (Omfg, Liam, dein ERNST?) Also nicht für dich. Ich freue mich für dich.(HAHAHA JAAAAA~ Auf jeden Fall... Ich bin ein Opfer.)“, verhaspelte er sich ohne Bemühungen und wünschte sich, dass sein Hirn explodierte „Naja, ich will dich nicht aufhalten, ja? Vielleicht trinken wir später einen zusammen? Wenn du da noch kannst... Wenn nicht.“, er hielt demonstrativ seine Zauberhände in die Höhe „Du weißt ja.“
Nananananana Ausnüchterungsman!
Jetzt konnte er in Frieden sterben. Alles war geklärt. Hoffentlich würde ihn gleich der Schlag treffen. Eine Atombombe wäre auch okay.
Seine Gebete wurden nicht ganz so präzise erhört, als Booga sich entfernte. Er erörterte gerade, ob der Kerl schon immer so ausgesehen hatte, oder ob er nun das Endstadium an Notgeilheit erreicht hatte, als seine Erlösung nahte. Oder zumindest eine gewisse Ablenkung.
“Wusa!“, scheiterte die Rebellenanführerin daran, ihm den herbeigesehnten Infarkt zu bescheren, trotzdem freute er sich sichtlich, sie zu sehen.
„Heyyyy-.“, begrüßte er seine beste Freundin nach wie vor derart peinlich berührt, dass sein Schamgefühl jegliche Dimensionen des Möglichen sprengte „DU auch hier. Was für eine Überraschung.“ - nicht.
Er umarmte sie prompt und auch ohne ihre Gedankenlesefähigkeiten würde sie sofort schnallen, was schon wieder mit dem Forscher los war.
„Kein Kommentar! Bitte. Ich brauche Alkohol.“
Dann berichtete er ganz unbefangen von seinen Fortschritten bei Phoenix und versuchte nur halbherzig zu verbergen, dass seine Gedanken die ganze Zeit zu einem anderen männlichen Wesen abschweiften.
Inzwischen war es einfach nur noch lächerlich.
Und er stieß an seine intellektuellen Grenzen, sich selber zu verstehen, was sein beschissenes Problem war.
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Starfire
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BeitragThema: Re: Das Umland   Do Okt 29, 2015 8:35 am

„Kein Kommentar! Bitte. Ich brauche Alkohol.“

„Oh, das is‘ das Vernünftigste was du seit JAHREN gesagt hast!“, brummte die Frau vergnügt und lachte glockenhell, als sie grinsend ihren Freund näher zu sich zog und von der Seite an sich drückte. Sie küsste seine Schläfe und ließ ab von ihm, damit sie ihn zu den Spirituosen führen konnte. Ell‘ hatte sich selbst natürlich auch versucht dem Kostümwettbewerb anzuschließen. Auch, wenn es nicht so freizügig wie bei Booga geworden war, schien ihr Outfit nicht weniger verrückt. Sie hatte sich versucht eine Rüstung aus Pappe und neonfarbenem Klebeband zu bauen. Die Hälfte davon war schon abgeblättert. Immerhin hatte sie just in dem richtigen Moment den zweiten Preis gemacht!
Jackson, dieser Hund, hatte natürlich wieder einmal den ersten Platz abgeräumt. Wo nahm der Wüstenspäher nur immer all seine Kreativität her?
Er hatte diesen Titel bereits zum dritten Mal gemeistert. Die Neulinge und alten Hasen lechzten danach ihn vom Thron zu stoßen.
Das Thema Phoenix kam auf.
„Ich hoffe er wird wieder… irgendwann“, entgegnete die Ares etwas bekümmert. Während sich Benett versuchte von Booga zu entziehen, hätte Starfire sich am liebsten vom Präsidentensohn komplett isoliert. Die Wahrheit war, dass sie den Süchtigen vermisste. Sie träumte manchmal immer noch von jenem verhängnisvollen Tag, als er sie in seinen Gedanken so real, so lebendig zerfetzt hatte. Sie hatte es regelrecht spüren können. War er überhaupt noch der Mann, denn sie so von Herzen geliebt hatte? Sie und Irvine waren einmal ein unzertrennliches Gespann gewesen. Anders als sie und Liam und doch äquivalent innig.
Während sie mit dem Arzt gemeinsam auf eine glorreiche Zukunft anstieß und sich schweigend den nächsten Drink einverleibte, überkam sie eine tiefe, heftige Traurigkeit. Sie war im Moment froh, dass es so wenig Empathen als auch Telepathen in Olymp gab. Denn sonst wäre sie aufgrund ihrer nackten, schrecklichen und puren Angst wahrscheinlich in längerfristigen Urlaub geschickt worden. Sie würde damit klarkommen. Aber es brauchte Zeit. Nächte wie diese halfen ihr wieder klar zu kommen. Eigentlich war sie noch nie ein Kind von Traurigkeit gewesen. Sie wusste sich zu helfen, sich abzulenken.
„Willst du lieber an Darens Stelle sein?“, fragte die Frau mit einer dunklen, aber weichen Stimme. Sie lächelte den ehemaligen Alpha selig an und sah, wie er sie entrüstet anstarrte. „Ich hab deine Gedanken nicht gelesen“, widersprach sie ihm, dabei geradezu zärtlich in ihrem Tonfall. „Tsk. Er erzählt das doch gerade Jedem. Und du starrst ihn andauernd an.“
Ihr Becher war leer geworden. Sie lehnte sich zur Seite und füllte nach.
„Oh. Wie lange ist es denn jetzt her, dass du Schnibli so richtig gesehen hast? Er hat sich gemacht, der Bursche. Er ist jetzt ein richtiger Bewohner dieser Stadt geworden. Und er wird demnächst die ersten Außeneinsätze mit uns machen. Oh. Ich kann es nicht leugnen. Ich fühle mich immer noch wie eine Glucke, wenn ich ihn sehe. Wie so eine richtige Mama. Aber er kommt zurecht.“ Ellinore schaute den Doc humorlos an: „Aber du bist mein größtes Küken, Liam. Was bist du nur für ein hoffnungsloser Fall? Du bist das untervögelste Wesen, das ich je gesehen habe. Wenn du nicht bald etwas dagegen unternimmst stelle ich einen Eilantrag zur Zwangsprostitution im Rat.“ Sie begann zu lachen, dachte diese Vorstellung noch weiter: „Oder ich zapfe Boogas …Dings ab. Dieses Zeug… wo drinnen ist es? In seinem Schweiß? Jedenfalls werde ich das überall verteilen und es wird in einer Orgie enden, wie in das Parfüm. Irgendwo da mitten drin wirst auch du sein! Und falls du mir jetzt gefühlsduselig wirst… und etwas von Liebe statt ficken erzählst… wann war bitteschön das letzte Mal, dass du dich mit Jemanden alleine getroffen hast? Oh ich weiß, als Booga dich abgeschleppt hat.“ Sie schwieg einen Moment und ließ diese Worte absichtlich sacken: „…in der Wüste.“
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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Mo Nov 02, 2015 10:57 am

Liam erwiderte die Umarmung, schaffte es jedoch gleichzeitig so auszusehen wie eine Katze, die jedweder Liebkosung entgehen wollte. Mit etwas Unbehagen löste er seinen Blick von der feiernden Pheromonspritze und begutachtete Starfire stattdessen prüfend. Er wusste nicht genau, ob er nun over oder underdressed war...
Die ersten paar Shots fanden ihr jähes Ende und wurden vom Arzt quasi inhaliert. Nach dem siebten Gläschen sah er sich in der Lage, der Ikone zu beweisen, dass er gerade nicht  seine Zunge abgebissen hatte. Phoenix weiter zu thematisieren erschien ihm weniger klug. Der kurze Schatten, der sich übers Gesicht der jungen Frau legte, genügte ihm für diese Erkenntnis. Und im Augenblick wollte er nicht in eine Wunde rumstochern, die selbst er nicht sofort heilen konnte.
Er nahm dafür auch in Kauf, dass ihr Gespräch automatisch wieder in diese eine, bestimmte Richtung abdriftete. Er zog eine undefinierbare Schnute, stürzte den nächsten Schnaps hinab und akzeptierte die Tatsache, dass er sich ganz alleine in diese Situation gebracht hatte.
„Nein! Daran würde ich im Traum nicht denken!“, kaufte er ihr ihre demonstrative Diskretion ohne Umschweife ab, wirkte aber für einen Moment völlig desillusioniert. Gedanklich hatte er drei Mal Pokerface von Lady Gaga herunter gebetet, damit es für die Telepathin überhaupt nichts spannendes zu lesen gab. In Wahrheit hatte er keine Ahnung, was er wollte. Oder der Verräter in seiner Hose, wie Starfire so passend bemerkte.
„Und ich starre nicht.“, klammerte er sich kurz an den Tresen und sah Ell sehr bedeutungsvoll an „Nur ein bisschen vielleicht...“, gab er dann kleinlaut zu und verdrehte in einer untypischen Geste die Augen bei ihrem liebevollen Gesäusel.
Drei weitere Shots später fing sein äußeres Sichtfeld leicht an zu flimmern. Am liebsten hätte er sich irgendwo vergraben, als seine beste Freundin plötzlich loslegte. Erst hatte er in Erwägung gezogen, sich an der Schulter der Ares auszuheulen, dieses Vorhaben verwarf er nun prompt.
Sie würde ihn sonst kastrieren. Immerhin das konnte er mit Bestimmtheit sagen.
„Aber du bist mein größtes Küken, Liam. Was bist du nur für ein hoffnungsloser Fall? Du bist das untervögelste Wesen, das ich je gesehen habe. Wenn du nicht bald etwas dagegen unternimmst stelle ich einen Eilantrag zur Zwangsprostitution im Rat.“
Der Wissenschaftler stimmte halbherzig in ihr Lachen ein, denn die Wahrheit in ihren Worten belustigte ihn nicht im Geringsten.
Deutlicher konnte sie nicht enden und der Benett mied absichtlich ihre ergründenden Augen, die nicht bloß Schalk versprühten.
Ihr war genau so bewusst wie ihm, dass die ganze Angelegenheit im Grunde gar nicht so witzig war. Vielmehr ernst. Und nicht nur, weil Liam drohte, alsbald einfach irgendjemanden zu bespringen, oder eine Selbstvasektomie durchzuführen.
„Du hast recht. Aber was soll ich bitte machen? Können wir bitte aufhören so zu tun, als hätte ich für all das Zeit. Ganz ehrlich. Ist nicht so, als würde ich nicht versuchen, raus zukommen. Aber man braucht mich!“
Eine simple Ausrede. Beziehungsweise das, was er sich tagtäglich einredete. Und er würde sich nicht dazu herablassen, zuzugeben, dass er kurz davor gewesen war, Andrea oder Rick (oder beide) von der Krankenstation um ein kurzes Stelldichein zu bitten. Obwohl die Kurzhaarige ihn womöglich wenigstens für die Idee gratuliert hätte.
„Und was soll ich jetzt tun? For real?! Ich bin nicht... so wie Sawyer.“, deutete er ausladend auf den Ex-Alpha, der sich immer noch auf der Couch mit seiner augenscheinlichen Cracknutte begnügte. Er konnte Irvine förmlich hören, wie er ihm etwas romantisches wie „Loch ist Loch!“ zuflüsterte und ihm auf unwiderstehliche Weise zuzwinkerte. Er konnte auf beides verzichten.
Er wandte sich noch einmal kurz zu Booga um, unentwegt ein Shotglas nach dem anderen in der Hand, damit sein Organismus gar nicht erst dazu kam, auch nur 0,1 Promille direkt wieder abzubauen.
„Das kann ich nicht bringen. Nein. Außerdem weiß ich nicht mal, ob ich das will.“, schielte er wieder zu Star hinüber und schüttelte den Kopf. Dann erhob er sich nahezu zielstrebig. Er wollte sich dieser Farce entziehen, auch wenn er sich nicht lächerlicher benehmen konnte.
„Ich bin dein aussichtsloser Fall. Deal with it...!“
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Starfire
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BeitragThema: Re: Das Umland   Di Jan 05, 2016 1:50 am

„Liam, Darling. Du bist ganz wundervoll, so wie du bist“, behauptete die Rebellin und hatte besonders hoch und mitfühlend gesprochen. „Es wäre bloß schön, wenn du hin und wieder den Stock aus deinem Arsch raus holst. Relaxen! Ich will einfach nicht, dass du eines Tages ein wahnsinniger alter, kauziger Kerl wie Berny aus der Apotheke wirst. Du hast so viele Gelegenheiten. Es ist einfach … eine Schande. Weil du sie nicht nutzt!“
Sie versuchte ihm noch weiter Mut zu machen, ihm gut zuzureden. Doch ihr bester Freund war nun einmal uneinsichtig. Benett hatte einen verfluchten Tunnelblick und kam aus seinem selbst erschaffenen Teufelskreis nicht mehr heraus. Ellinore war durchaus traurig. Sie dachte an die zahlreichen Nächte, die sie gemeinsam ums Feuer getanzt hatten, oder ihre ersten Erfolge innerhalb des Kampfs gegen die Alpha. Damals hatte es eine kurze romantische Affäre zwischen ihnen gegeben, bis sie beide entschieden hatten Freunde zu bleiben. Es war ohne ach und Krach auseinandergegangen. Danach hatte sich der Mediziner noch an ein paar anderen Partnern versucht, aber es hatte mit heranschreitender Zeit immer mehr abgenommen. Mittlerweile war Liam wie eine abgeschottete Zelle, die außerhalb vom Kollektiv existierte. Selbstverständlich hatte es genug Bürger gegeben die am Arzt Interesse bekundet hatten, doch der angeblich viel beschäftigte Doktor hatte alle abblitzen lassen.
Ell würde ihren Freund so lange bearbeiten und nerven, bis er sich aus seinen goldenen Käfig wagte. Das stand fest. „Warte. Ich komme mit. Nach unserem Problemkind gucken. Aber danach kommst du wieder mit… wir kriegen dich schon noch betrunken. Oder besorgen dir eine Nase voll irgendwas anderem. Die junge Anführerin hütete sich den Begriff Bloody Eye zu verwenden. Dank Phoenix hatte sie die Schnauze voll davon. Am liebsten hätte sie das Zeug aus der ganzen Stadt entfernt. Allerdings gab es auch Leute, die damit wesentlich besser umgehen konnten, als ihr Kollege. Starfire war selber nicht ganz unschuldig, sie hatte die Pflanze auch mehrmals konsumiert, allerdings vermehrt dann, wenn sie ihre Fähigkeiten steigern wollte. Es machte sie konzentrierter, schneller und wacher. Seitdem Irvine die Gruppierung so sehr enttäuscht hatte, sprachen sich viele Bürger für eine Verschärfung der Drogengesetze aus, aber abgestimmt wurde darüber offiziell noch gar nicht.
Die Blondine fühlte sich bereits beklommen, als sie sich auf den Rückweg in das Stadtinnere aufmachten. Kaum, dass sie an den Telekinesen dachte, bekam sie Gänsehaut. Sie fürchtete sich vor ihm wie vor keinem anderen Individuum auf diesem ganzen Planeten. Nicht einmal eine Horde Riesenameisen konnten sie so sehr in Unruhe versetzen wie Russel. Die Vorstellung, dass der Texaner zwischen gut und böse kaum mehr unterscheiden konnte, machte sie extrem unsicher. Sie liebte ihn als Freund, aber sie fühlte sich immer noch verletzt und wie gelähmt, wenn sie an ihn dachte. „Wie hälst du das nur aus?“, fragte die Telepathin plötzlich. Sie kramte in ihrer Jackentasche ein Tabakstäbchen heraus. Sie rauchte mittlerweile öfters.

„Ihn so zu sehen? Für mich ist das… ich komme einfach nicht drauf klar. Liam. Wirklich. Ich will meinen Freund wieder zurück haben, Liam.
Aber sie kamen nie in der Krankenstation an. Sie hatten die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als Star abrupt stehen blieb. Sie schaute irritiert hinter sich und wies Liam mit einem Handzeichen an ruhig zu bleiben. Aufmerksam horchte die Rebellin, bis sie plötzlich etwas zerstreut in Liams Gesicht schaute: „Es ist etwas passiert. Lass uns zurück“, bat sie. Ihre Stimme war rau, dünn. Sie klang besorgt.

Bereits von Weitem zeichnete sich der Menschenpulk in der Ferne ab. Es roch fürchterlich nach Rauch. Ell konnte dem Drang zu husten nicht widerstehen. Sie erkannte das es vereinzelt kleine Feuer um sie herum gab. Man klärte sie augenblicklich darüber auf, dass es einen Angriff von Eneco Hornissen
gegeben hatte. Ellinore kam das komisch vor. Die Feier war bereits mehrere Stunden am laufen – wieso hatten sich die Tiere erst jetzt vorgewagt? Diese Gedanken rückten jedoch in den Hintergrund, als mehrere Opfer in die Jeeps getragen wurden. „Liam! Komm!, brüllte die Rebellenanführerin und lief im Eiltempo zu den Autos. Sie gehörte zu den Leuten die noch halbwegs nüchtern waren, sodass sie sich ohne Widerrede ans Steuer setzte. In dem Laderaum stöhnten die Verletzten jämmerlich. Sie waren mit mehreren Beulen übersäht. Zu den Auserwählten gehörten auch Booga und Daren.
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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Di Jan 05, 2016 2:40 am

Die Worte der Ares gingen nicht an Liam vorbei, natürlich nicht. Trotzdem war er aus unerfindlichen Gründen nicht imstande, sich die Worte wirklich zu Herzen zu nehmen. Vielleicht war er zu stur, vielleicht zu verfahren in seinen Ansichten. Er wollte Hilfe, ließ sich aber nicht helfen, während er allen anderen den Arsch hinterher trug.
Dass seine beste Freundin sich prompt dazu bereit erklärte, ihn zu begleiten, überraschte ihn, doch er wagte es sich nach der Ansprache nicht, es abzulehnen. Auch wenn er mehrere Dinge nennen konnte, die dagegen sprachen.
Phoenix war erträglicher geworden, dafür wechselte er ständig den Charakter. Der Benett würde es nicht zwangsläufig als schizophren bezeichnen, doch eine Persönlichkeitsstörung konnte er nicht mehr leugnen. Der Rebellenanführer bewegte sich zwischen hochaggressiv und unberechenbar sowie kooperativ, zuvorkommend und freundlich. Und dann gab es da noch seine eigentümlichen Wachphasen, in denen er einfach vor sich her murmelte, oder imaginäre Personen beleidigte.
Meistens richteten sich seine Flüche und Verwünschungen gegen seinen Vater.
Egal welchen Irvine sie antreffen würden, Ell würde es zerreißen.
„Das ist mein Job.“
, hatte er lediglich geantwortet und seine Mundwinkel zu einem aufmunternden Lächeln gezwungen. Ja, er schaltete seinen Verstand oftmals aus. Oder zumindest einen bestimmten Teil davon, denn sonst würde ihn alles übermannen. So taten sie alle das. Menschenleben zu retten war kein Job, sondern eine lebenslange Verpflichtung.
Und momentan büßte er mehr ein, als er sich eingestand, denn er verweigerte sich den elementaren Dingen, die einen über Wasser hielten.
Von Liebe wollte er nicht sprechen. Aber der Nutzen und die Auswirkungen auf einen selbst von Zwischenmenschlichkeiten waren nicht abzutun.
Er versuchte seine Gedanken im Zaum zu halten, als die Kurzhaarige sich ihm weiter öffnete.
„Ich weiß, Ell. Ich weiß...“
Eine sehr hilfreiche Antwort. Der feine Nebel des Alkohols hatte sich bereits verflüchtigt. Als seine Begleiterin plötzlich innehielt, rechnete er schon mit unvorhergesehenen Ausbruch dieser. Ob aus Wut oder nervlich bedingt, hatte er noch nicht entschieden.
Dieses Drängen überraschte ihn sogar um einiges mehr.

Selbst wenn er sich ihr hätte widersetzen wollen, so hätte es ihm seine Moral verboten.
Das, was man von weitem erkannte, ließ alle Alarmglocken in ihm läuten.
„Was ist passiert?“, verlangte er zu wissen, rein obligatorisch.
„Lass dich nicht stechen.“, verkündete er ebenso obligatorisch, als er auf den Kadaver eines der Biester drauf trat.
Während Star sich hinters Steuer schwang, hievte er sich in den Laderaum.
„Fuck, ich brauche mehr Licht.“, suchte er an der Decke nach der spärlichen Beleuchtung und erkannte erst dann, mit welchen Patienten er beglückt wurde.
„Stanley.“, stieß er hervor, als er den Rotschopf zusammen gekauert daliegen sah. Sein Objekt der Begierde krümmte sich zu seiner Linken.
Liam erlaubte es sich, sich für 3 Sekunden zu schämen, denn wenn jetzt etwas deplatzierter war, dann die Eifersucht, die in ihm aufkeimte.
Bullshit, was wollte er eigentlich?!
„Hey. Das wird jetzt wehtun.“, log er nicht, als er sich zuerst zu Booga hinab beugte und ihm bereits eine Hand an die Wange legte.
Seine Haut war warm. Dort wo die Stacheln der Hornissen sich in die Haut des Mechanikers gebohrt hatten, war sie heiß und krankhaft geschwollen.
Er sog das Gift aus dem Körper des ehemaligen Drogendealers und fing mit der freien Hand Boogas Arm ab, der sich bei den aufkommenden Schmerzen verselbstständigt hatte.
Man konnte es mit einer Ausnüchterung vergleichen. Er nahm dem Körper etwas, nach dem er verlangte, obgleich es dem Organismus schadete. Ein ausgeklügelter Trick der Natur.
„Halt still. Gleich wird es besser. Ich verspreche es.“, nahm er ihm nicht das Bewusstsein, als er fertig war und sich Daren und dem Rest der Verletzten widmen konnte.
Schlussendlich war er es, der fast kollabierte und beinahe von der Ladefläche stürzte, als der Wagen endlich angehalten hatte.
Seine Sicht verschwamm, seine Energiereserven gingen zu Neige. Normalerweise teilte er sich seine Kräfte besser ein. Die Menschen im Laderaum waren gänzlich unversehrt, er hatte alle Wunden geheilt.
Er war zu müde, um sich auf einen inneren Konflikt oder eine Diskussion einzulassen, wie unklug sein Handeln gewesen war. Es gab noch mehr Verletzte.
Der Benett benötigte dringend eine Energiequelle, von der er speisen konnte.
Ehe er das seiner besten Freundin mitteilen konnte, war die bereits in ihren Rebellenanführerinmodus übergegangen und erkundigte sich nach dem Tathergang. Liam lauschte und versuchte sich auf den Beinen zu halten.
„Sie haben dich zuerst attackiert?“, schloss er aus den Erklärungen, als alle auf einmal durcheinander geredet hatten und fixierte Stanley mit schweren Lidern.
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Starfire
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BeitragThema: Re: Das Umland   Di Jan 05, 2016 3:19 am

In Stanleys Halluzinationen mischte sich die Realität mit seinen Fieberträumen. Sein Blick streifte durch den Wagen. Und dort, wo das Gefährt eigentlich aufhören sollte erstreckte sich plötzlich ein riesiger Raum. Er schaute in die gähnende, schwarze Leere. Hörte das Surren von Maschinen. Er erinnerte sich verstörend an die Fabrik. An das Arbeitslager. Murmelnd, keuchend versuchte der Rothaarige die Bilder zu verdrängen. Etwas in ihm wusste, dass es nur ein Hirngespinst war. Es war so absurd um wahr zu sein. Leider fühlte es sich jedoch extrem echt an. Er schrie gerade mit geschwollenen Lippen gegen einen der damaligen Wärter an als sich die Umgebung ein weiteres Mal änderte. Es wurde leise. Klassische Musik ertönte. Hinter ihm hörte er knisterndes Feuer vom Kamin. Leises, metallisches Klirren von Besteck. Er starrte rechts von sich. Dort saßen seine Eltern. Booga hatte angenommen, dass er ihr Gesicht vergessen hatte. Aber das Gift der Insekten hatte ihr Abbild so täuschend echt wiederhergestellt, dass es ihn enorm im Schock versetzte. Seine Mutter hatte dieses nussbraune, leicht gelockte Haar. Sie hatte es jeden Morgen im Bad in Form geföhnt. Dazu trug sie eine violette Perlenkette und war ansonsten in ein blaues Kleid gehüllt. Sein Vater hatte bereits etwas schütteres Haar, weswegen er schon zum damaligen Zeitpunkt eine Perücke tragen musste. Sie sah fürchterlich künstlich aus. Wie aus einem Stück Modelliermasse geformt. Wie Plastik. Aber das war in.
„Schatz. Hast du keinen Hunger?“, fragte plötzlich Mrs Schnibli, die zu ihrem Sohn hinüber starrte. Irritiert schaute Stan an sich hinab. Er hatte ein beiges Hemd und darüber eine schwarze Weste an. Aufgeschreckt sprang er vom Tisch auf und rannte durch die Wohnung. Manchmal strich er über die Wände oder versuchte auf andere Weise diesen Moment als Fantasie zu entlarven. Aber es half nichts. Inzwischen war er sich nicht mehr sicher was real war oder was nicht. Er verlor den Faden und starrte im Badezimmer ungläubig auf ihre verspiegelte Wand. Stanley hatte braunes, mit Pomade frisiertes Haar. Sein Aussehen entsprach der frevelhaften, überschminkten Mode der Gesellschaft. Bei näherer Betrachtung im Spiegel merkte er sogar, dass er Make Up trug.
Jede Pore schien verstopft mit der Schminke. Beim nächsten Wimpernschlag stand plötzlich seine Mutter hinter ihm und umarmte ihn. „Du bist so ein schöner Junge, Stan. Mama ist stolz auf dich.
In der darauffolgenden Sekunde war auch sein Vater bereits da. Er sah seinen Sohn freundlich, geradezu demütig an: „Stanley. Hey. Das wird jetzt wehtun.“
Ein unbarmherziger, harter Schnitt. Stan befand sich auf einem Stuhl. Festgeschnallt. Vor ihm befanden sich mehrere, maskierte Menschen. In Schnappatmung begann sich Booga sowohl in seinem Traum, als auch in Wirklichkeit zu bewegen. Einer der Maskierten kam mit einem Skalpel auf ihn zu. Booga begann heftig zu schreien. Das Gift lähmte ihn immer noch, sodass sein Zappeln mager ausfiel, doch er spürte puren Horror. In seinen Halluzinationen begannen die Fremden seinen Körper auseinander zu nehmen. Sie gingen akribisch vor, schienen fasziniert. Booga bettelte um Erlösung, aber alles was er zu hören bekam war ein „Halt still. Gleich wird es besser. Ich verspreche es.“.
Nachdem Benett das Gift bzw. die Wirkung dessen zunichte gemacht hatte, konnte der Rotschopf kaum glauben, dass er zurück war. Trotz allem fühlte er sich schwach und zerblich, zog sich erst einmal zurück, ehe er sich am Gespräch beteiligen konnte. Langsam fielen ihm die Ereignisse wieder ein, wobei ihm sein Traum genauso wirklich vorgekommen war, wie alles übrige auch.
„Wir waren ein bisschen weiter entfernt“, gab Booga mit trockenem Mund zu. „Wir haben uns ein angefangen zu küssen, als ich bereits so ein Summen gehört habe. Aber ich hab mir nichts dabei gedacht…“ Die Ohren des Mutanten waren nun einmal überempfindlich. Ihm war es möglich Dinge aus weitester Entfernung wahrzunehmen. „Als sie auf uns zukamen und begonnen haben uns zu stechen sind wir eben zurück zum Lager gelaufen. Wir wollten die anderen nicht auch in Gefahr bringen, aber wir hatten auch Angst. Das war so eine Kurzschlussreaktion“, ergänzte Daren.
Booga begann besorgt zu Liam hinüber zu schauen. Sein Alkohol hatte sich verflüchtigt. Noch ehe Starfire sich selbst um den Doktor kümmerte, sprang der Gestochene plötzlich auf und wanderte zum Benett hinüber. „Ell, Liam sieht richtig scheisse aus. Ich meine so total scheisse.“ Ellinore horchte auf. Sie wandte sich an ihren besten Freund und sah ihn besorgt an. „Oh mein Gott… Liam! Deine Hautfarbe… shit. Liam! Was ist mit dir? Liam, du hast es wieder übertrieben. Fuck. Wir hätten dich nicht nach Olymp holen sollen. Ich wusste es wäre eine scheiss Idee. Du bist so ein verfluchter Samariter. Ich hasse das, Liam. Jetzt knick mir nicht zusammen. Liam! Liam!
Die Stimme der Blondine schien verworrener, dumpfer zu klingen bis schließlich auch das Sichtfeld des Arztes verschwamm.
Alles wurde dunkel und eine wohlige Stille umgab den Forscher, ehe dieser erst einen Tag später selbst in einem der Krankenbetten aufwachte. Neben ihm ruhte Booga, der sich selbst auf eine der Liegen platziert hatte. Er war längst nicht mehr in Gefahr, aber er wechselte sich mit den anderen regelmäßig ab um Liam beizuwohnen. Allerdings war er aufgrund seiner eigenen Müdigkeit zwischendurch einfach eingeschlafen. Er wachte allerdings auf, als eine der Pflegerinnen Liam auf seinen Zustand ansprach.
„Du bist endlich wach. Hier. Trink doch was“, baut ihn die Brüntte und reichte dem Weltverbesserer einen Becher Wasser.
„Oh! Liam!“, ertönte die quicklebendige Stimme vom Jüngeren im Hintergrund. Stanley setzte sich auf. „Liam… es tut mir Leid“, sagte der Rebell. Er schaute betroffen drein. „Wegen mir bist du selber fast draufgegangen. Ich denke all der Mist war meine Schuld. Das mit den Viechern meine ich.“ Er hatte lange darüber nachgedacht und selbstverständlich auch mit den Rebellenanführern alles fein säuberlich erörtert. Der junge Mann fuhr sich betroffen durch die Haare, wirkte schwer niedergeschlagen. „Ich hab sie vielleicht angelockt. Wegen meinen Phäromonen. Ich hab das … mittlerweile eigentlich im Griff. Aber nicht wenn ich betrunken bin. Schon gar nicht, wenn ich kurz davor bin… mit Jemanden zu schlafen.Ihm war das nicht nur furchtbar unangenehm, sondern auch peinlich. Man hatte ihm bereits deutlich gemacht wie absolut blödsinnig er Sachen von sich gegeben hatte, während sie auf der Party gewesen waren. Dass es vielen anderen auch so ergangen war, machte es leider nicht besser. „Es tut mir Leid. Wirklich. Wirklich… wirklich.
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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Di Jan 05, 2016 4:10 am

Er bekam am Rande mit, was Booga erzählte. Und wäre er nicht zu sehr damit beschäftigt, nicht mit dem Boden zu knutschen, hätte er sich vielleicht mehr über die Aussage des Rothaarigen pikiert.
Ehe er tatsächlich vergeblich gegen eine schleichende Dunkelheit anblinzelte, war es Ellinors Stimme, die er hörte. Allerdings nicht das, was sie gegenwärtig von sich gab, sondern all das, was sie ihm auf der Party und danach versucht hatte einzubläuen.
Bevor er einen vorher nie dagewesenen Tiefpunkt seiner Impertinenz erreichte, gab er der Schwärze nach.
Es war ungewohnt. Er schlief so selten, dass sein Organismus sich regelrecht danach verzehrte, sobald er die Augen schloss. Nun war es ähnlich. Ein paar Mal kratzte er an der Oberfläche, doch seine Erschöpfung siegte.
Als er aufwachte, fühlte er sich seltsam gerädert. So als sei er gnadenlos verkatert. Er war dehydriert, seine Lippen aufgesprungen. Das bemerkte er, als er den nutzlosen Lappen in seinem Mund zum Sprechen benutzen wollte. Das Ziepen an seinem Handrücken verriet ihm als aller erstes, wo er sich befinden musste.
Das machte die Angelegenheit noch ungewöhnlicher. Seine Selbstheilungskräfte bewahrten ihn im Normalfall davor.
Er lauschte den Geräuschen, ehe er die Augen öffnete und in die Strahler der Krankenstation starrte und vernahm das ruhige Atmen zu seiner Linken.
Das Trinken nahm er unwillkürlich entgegen, bevor er irgendetwas anderes tat und leerte das Wasser in einem Zug.
„Danke, Andrea.“, erklang seine Stimme brüchig. Langsam holte ihn ein, was geschehen war.
Gütiger Gott, kein Wunder, dass sein Schädel so dröhnte. Egal was man ihm hier in die Venen pumpte, es reicherte seinen dämlichen Mutantenkörper nicht mit dem an, was er brauchte.
Etwas fahrig folgte sein Blick der Stimme. Booga richtete sich gerade auf und Liams Aufmerksamkeit glitt unverzüglich zu dessem feuerroten, nun leicht verworrenem Haar, das den Anschein machte, sich nicht bändigen lassen zu wollen.
Was laberte er da? Pheromone? Der Benett nickte, indessen er nur Bruchteile aufnahm.
„Es tut mir Leid. Wirklich. Wirklich… wirklich.“
Es war seine Schuld, nicht die des Schniblis. Das hätte er ihm gerne gesagt, aber sein Hirn schien zu einem Knäuel aus Nacktschnecken geworden zu sein, um seiner Zunge nachzueifern.
Zu gerne würde er genauer auf die Entschuldigung eingehen, ihn beschwichtigen, sich womöglich selber entschuldigen, doch etwas anderes fesselte Liam und lenkte ihn vom Wesentlichen ab.
Wieso war der andere ihm gleich so nah? Hatte er bei ihm übernachtet, auf der Krankenstation?
Oder hatte er geahnt, dass sich niemand des Personals für ihn opfern könnte, wo doch alle Medikamente und Zaubermittel kaum Wirkung zeigten bei seinem übermenschlichen Metabolismus.
Später würde er es auf seine physische Schwäche schieben, die ihn gleichsam kognitiv beeinflusste.
Er entschied sich nämlich relativ schnell, dass Stanley nur hier sein konnte, um ihm wirklich zu helfen.
Dass das absolut keinen Sinn ergab, immerhin wusste er selber bis heute nicht zu hundert Prozent wie seine Mutation sich auf seinen Körper und Geist auswirkte, eröffnete sich ihm nicht-
Genau genommen war Starfire die Einzige, die er bisher für seine Zwecke so missbraucht hatte. Sie hatte es ihm angeboten, selbstlos wie sie war. Sie kannte ihn und seine Eigenarten. Und dass er nicht gerne fragte, was Fremdenergie anbelangte.
Booga bot ihm die Möglichkeit, sich schneller zu regenerieren. Schneller noch, als es ohnehin schon für den Mutanten üblich war.
Ja, deswegen war Stan sicher hier. Alles andere erschien ihm abwegig.
Also ließ sein beeinträchtiger Verstand auch die letzten Bedenken hinter sich, als er sich vorlehnte, mit beiden Händen Boogas Gesicht umfasste und ihn näher zog, bis ihre Lippen sich trafen.
Gut, das hätte er auch anders lösen können. Jedoch lag ihm das nach all dem vergangenen Heckmeck irgendwie fern.
Er musste erbärmlich wirken. Erbärmlicher als sonst jedenfalls. Nicht nur weil er den Kuss binnen Sekunden vertiefte, sondern auch weil er wohlig gegen die Lippen seines Gegenübers seufzte, als dessen Energie durch ihn hindurch floss.
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Liam Benett



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BeitragThema: Re: Das Umland   Di Jan 05, 2016 1:15 pm

BOOGA
Der Mutant starrte seinen Freund niedergeschlagen an. Obwohl Liam ihn weitestgehend geheilt hatte, war Booga selbstverständlich noch ziemlich gerädert. Es war weitaus schlimmer als ein normaler Kater, aber nicht lebensbedrohlich. Man hatte ihn für eine Woche vom Dienst freigeschrieben, aber das interessierte ihn herzlich wenig. Eigentlich fühlte es sich nur an wie Grippe.
Der zerstreute, junge Mann schaute den Arzt irritiert an. Eigentlich wollte er noch Starfire und die Anderen benachrichtigen. Doch dann schaute ihn Liam plötzlich eindringlich an. Der Rotschopf spürte die Hände auf sich ruhen und den leichten Sog. „Euh?!“, entglitt es den Lippen vom Mechaniker, ehe der Benett ihn küsste. Da er so müde und träge war, realisierte der Schnibli viel zu spät was da geschah. Erst nahm er den Vorgang völlig überrumpelt hin. Aber spätestens dann, als er spürte wie der Ältere seinen Mund öffnete und ihn fordernd küsste, kam Booga zu sich. Durch ihn rasselte ein warmer Schauer. Dann spürte er eine gewisse Lähmung, die er zum Teil Liam zu verdanken hatte. Er hätte sich vor einiger Zeit richtig über diesen Kuss gefreut, doch nun wusste er wahrlich nicht was er davon halten sollte. Ihm fiel augenblicklich das komische Verhalten vom Forscher in der Wüste ein. Stan zuckte derweil etwas zusammen und versuchte sich schweren Herzens dem sanften Griff zu entziehen. Ein Teil von ihm bereute es, was ihn genaugenommen frustrierte. Er hatte mit Liam Benett abgeschlossen, dachte er. Denn er wollte auch mit dem alten, verstörten Jungen aus der Fabrik nichts mehr zu tun haben. Anscheinend hatte er das alles nicht so gut verarbeitet, wie er sich hatte weiß machen wollen. Auch wenn es unfair war Liam in diese Gleichung auf solche Art und Weise miteinzubeziehen.
„Ermh. Liam“, stotterte Booga peinlich berührt und schaute den Patienten zerstreut an. Er wollte was sagen – wohlmöglich nochmal mit seinen Lippen wiederholt nach unten sinken, als ihn plötzlich ein Kopfschmerz überfiel.
Booga stöhnte heftig, kniff die Augen zusammen und ließ sich neben dem Bett auf einen der Stühle sinken. „Ah shit. Mein Kreislauf“, klagte er, spürte wie ihm schlecht wurde.
„Booga? Alles in Ordnung, mit dir?“, fragte Andrea, die den entscheidenden Moment verpasst hatte, weil sie nach einem anderen Kranken gesehen hatte. „Hat sich dein Zustand wieder verschlechtert? Du musst dich hinlegen“, riet sie ihm und kümmerte sich liebevoll um den Frischling von Olymp. Bald trudelte auch Starfire ein, die eigentlich gekommen war um Stanley abzulösen. Doch entgegen ihrer eigenen Erwartungen war Liam halbwegs wach -  und dafür der Schnibli am Schlummern. Dieses Mal wesentlich fester und erschöpfter. „Sein Zustand ist wieder schlimmer geworden?“, erkundigte sich die Anführerin rätselnd. „Er war doch auf dem Weg der Besserung?“ Sie ahnte nicht was ihr bester Freund soeben versehentlich angerichtet hatte. Stattdessen verteufelte sie sich selbst, weil sie Booga nicht in sein Bett verbannt hatte. „Liam. Wie geht es dir?“, hauchte sie schließlich versöhnlich und strich dem Bärtigen fürsorglich über das Haar. „Du hast es übertrieben. Dieses Mal so richtig. Ich denke… es täte dir ganz gut… zurück zu gehen. Nach Helter Skelter.“ Der Ton in ihrer Stimme war überaus ernst. „Ich habe schon mit Maggie darüber gesprochen. Sie wird deinen Platz einnehmen. Sie hat nicht so große regenerative Kräfte wie du, doch sie wird dich würdig vertreten.“ Starfire lächelte matt: „Apropos Regeneration.“ Sie beugte sich schließlich hinab um Liam zu küssen.
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